Grüner tagen, schöner tagen - Nachhaltigkeit fördern
Lebensmittel aus der Region, Energieeinsparung und Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln
Die Initiative "Green Events Austria" will bei Tagungen und Kongressen die Nachhaltigkeit fördern. Das Festspielhaus Bregenz ist eines von österreichweit drei Projektbeispielen, die im Rahmen von "Green Events Austria" mit dem Österreichischen Ökologie Institut und dem Lebensministerium zusammenarbeiten. Schnell hat sich gezeigt: Das Festspielhaus hat bereits Vorbildcharakter. Und es will noch besser werden.
Sie reisen mit Zug oder Bus an, tagen in Räumen, die möglichst wenig Energie brauchen, werden mit Verpflegung von regionalen Anbietern verwöhnt und trinken in der Pause fair gehandelten Kaffee: So sehen die idealen Gäste des Festspielhauses Bregenz aus. Um diese Vision wahr werden zu lassen, machten sich die Mitarbeiter gemeinsam auf den "grünen" Weg.
Schritt für Schritt nimmt das Team dabei die einzelnen Bereiche des Hauses unter die Lupe. Der Bereich Catering zum Beispiel wurde bereits auf "Grün" umgestellt: "Wir verwenden regionale und saisonale sowie bio-zertifizierte und fair gehandelte Lebensmittel", erklärt Zoltan Toth, Geschäftsführer der Festspielhaus Gastronomie. Das erfahren die Veranstalter bereits in der Angebotslegung. Und die Besucher werden auf Speisekarten auf das Angebot aus der Region aufmerksam gemacht. Damit so wenig Abfall wie möglich entsorgt werden muss, wird darauf geachtet, dass Mehrweggeschirr zum Einsatz kommt und unnötiges Verpackungsmaterial vermieden wird. Für die Warmwasseraufbereitung im hauseigenen Restaurant "buehnedrei" wird die Abwärme der Heizungsanlage verwendet.
Glasfronten sparen Energie
Der Energieverbrauch konnte durch die Sanierung des Hauses vor wenigen Jahren deutlich reduziert werden: Durch gute Dämmung muss weniger geheizt werden und Glasfronten verringern den Bedarf an künstlichem Licht. Das Grundwasser (Pfahlabsorber) wird im Sommer als "natürliches Kühlsystem" genutzt und sorgt für angenehme Temperaturen im Verwaltungstrakt. Und der Energieverbrauch wird weiter reduziert: Es gibt nun beispielsweise neben vielen weiteren Maßnahmen eine extra sparsame Beleuchtung für die Arbeit des Reinigungspersonals.
Was für die Bregenzer Festspiele bereits seit einigen Jahren gilt, soll zukünftig für alle kulturellen Veranstaltungen im Festspielhaus gelten: alle gekauften Tickets beinhalten die An- und Abreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, und zwar länderübergreifend (Österreich, Deutschland, Schweiz).
Kunden sind begeistert
Auch ihre Kunden wollen die Festspielhaus-Mitarbeiter von der grünen Idee überzeugen: "Wir unterstützen unsere Partner bei der Umsetzung", sagt Geschäftsführer Gerhard Stübe. Generell bekommt jeder Kunde ab sofort zuerst ein "grünes" Angebot und nur auf Nachfrage ein konventionelles.
"Die ersten Rückmeldungen von unseren Kunden und Partnern sind sehr positiv", sagt Gerhard Stübe. Und er führt ein weiteres Beispiel an, das zeigt, wie vielfältig der "grüne" Weg sein kann: Der Veranstalter einer Tagung möchte seinen Kongress klimaneutral gestalten. Festspielhaus-Mitarbeiter suchen nun regionale Klimaprojekte, die zum Beispiel Umweltschutzmaßnahmen umsetzen. An diese Projekte zahlt der Veranstalter dem finanziellen Beitrag, der notwendig ist, um den CO2-Ausstoß, der bei seiner Tagung entstanden ist, zu neutralisieren.
Für die beiden Geschäftsführer des Festspielhauses ist der Begriff "Green Event" noch etwas zu eng gefasst: "Für ehrliches nachhaltiges Arbeiten muss sowohl der ökonomische als auch der soziale Aspekt mit berücksichtigt werden. Wir widmen uns intensiv und gerade in vermeintlichen Krisenzeiten der Personal- und Organisationsentwicklung. Bestens motivierte und ausgebildete Mitarbeiter bilden überhaupt erst das Gerüst eines nachhaltigen Erfolgs", weiß Michael Diem.
"Bregenz ist ein Vorzeigehaus"
"Green Events Austria" wurde vom Österreichischen Ökologie-Institut in Kooperation mit dem Lebensministerium und den Bundesländern gestartet. Willi Sieber vom Ökologie-Institut in Bregenz hat im Rahmen der Initiative das Festspielhaus und seine Veranstaltungen unter die Lupe genommen. Sein Fazit: "Es ist ein Vorzeigehaus." Dies sieht er auch dadurch bestätigt, dass sich das Festspielhaus Bregenz dazu entschlossen hat, sich in den kommenden zwölf Monaten durch die Initiative ÖKOPROFIT als "energiebewusster Gastgeber" zertifizieren zu lassen.
Künftig soll dem Thema Nachhaltigkeit im Festspielhaus Bregenz noch mehr Bedeutung zukommen. So ist angedacht, gemeinsam mit dem Europäischen Verband der Veranstaltungs-Centren (EVVC) und dem Österreichischen Ökologieinstitut ein Seminar zum Thema "Green Meetings" anzubieten. Auch laufen bereits Gespräche mit internationalen Partnern über einen länderübergreifenden Kongress zum Thema "nachhaltiges Tagen".
Was ein Veranstalter tun kann, um sein Event klimafreundlich und dadurch nachhaltig zu gestalten:
• Ein "grünes" Angebot anfordern
• Kooperationen mit dem Öffentlichen Personennahverkehr abschließen
• Sonderzüge organisieren, mit denen Teilnehmer gesammelt anreisen
• Teilnehmer-Badges aus ökologisch abbaubaren Materialien einsetzen
• Auf Papierausdrucke weitestgehend verzichten
• Vorträge und andere Informationen auf der Homepage als Download einstellen
• Teilnehmer und Referenten auffordern, umweltbewusst zu handeln
• Die Veranstaltung auch "klimaneutral" machen (zum Beispiel durch CO2-Abgeltung)